Karten statt Reden: Was eine geschäftige Verteidigungswoche in Cebu über den Westpazifik verrät
Treffen von Verteidigungsministern bleiben meist wegen ihrer Gruppenfotos und vorsichtig formulierten Abschlusserklärungen in Erinnerung. Das Treffen der südostasiatischen Verteidigungschefs und ihrer Partner auf der philippinischen Insel Cebu wird diese Woche aus einem anderen Grund in Erinnerung bleiben: wegen einer Karte. Während die Delegierten zu den erweiterten ASEAN-Gesprächen zusammenkamen, veröffentlichte Taiwans Sicherheitsapparat eine Darstellung, die ein vages Unbehagen in Punkte auf blauem Wasser verwandelte.
Laut Joseph Wu, dem Leiter von Taiwans Nationalem Sicherheitsrat, operierten mehr als 50 chinesische Marine- und andere staatliche Schiffe gleichzeitig in einem langen Seebogen, der von Südjapan an Taiwan vorbei bis in die Gewässer östlich der Philippinen reicht. Seine Karte zeigte 53 Schiffe, darunter 34 Kriegsschiffe und den Flugzeugträger Liaoning mit seinem Begleitverband östlich der Philippinen. Weitere Verbände lagen vor Taiwans Ost- und Südostküste, drei Gruppen vor der Südküste Japans. Wu nannte den gleichzeitigen Druck auf Taiwan, Japan und die Philippinen „offensichtlich“.
Pekings Verteidigungsministerium bezeichnete die Aktivitäten des Trägers in diesem Monat als Routinetraining, das sich gegen kein bestimmtes Land richte. Für eine einzelne Übung mag das formal stimmen. Doch der Kern von Taiwans Karte ist nicht eine Übung, sondern das Muster. Zusammen betrachtet wirken die Einsätze weniger wie getrennte Manöver als wie eine dauerhafte Präsenz vor der Haustür dreier Nachbarn.
Warum eine veröffentlichte Karte zählt
Taiwan hat das schon einmal getan: Eine ähnliche Karte erschien im Mai, und Taipeh will weiterhin Positionen chinesischer Kriegs- und Küstenwachschiffe veröffentlichen. Die Taktik ist einfach, aber wirksam. Regierungen der Region sprechen oft abstrakt über Druck in der „Grauzone“. Eine Karte mit gezählten Schiffen macht das Gespräch konkret, gibt Journalisten und Analysten etwas zum Überprüfen und lädt Tokio und Manila stillschweigend ein, ihre Erkenntnisse abzugleichen. Taiwans Verteidigungsminister fügte hinzu, sein Ministerium tausche Informationen mit Partnern aus und behalte die Bewegungen der Kriegsschiffe „angemessen im Blick“.
Für Taiwan, das Peking als eigenes Territorium beansprucht, ist Transparenz auch eine Form der Diplomatie. Am ASEAN-Tisch sitzt es nicht, aber es kann beeinflussen, worüber dort gesprochen wird.
Der Blick aus Canberra
Im Saal wählte Australiens Verteidigungsminister Richard Marles deutliche Worte. Er bezeichnete Chinas militärische Expansion als die größte konventionelle Aufrüstung seit dem Zweiten Weltkrieg und sagte, sie erzeuge in ganz Südostasien einen „Zustand des Drucks“, ohne dass Peking ihren Zweck erkläre. Für eine Mittelmacht seien es gerade die Verkehrsregeln, die Handlungsspielraum geben – sie zu verteidigen sei daher kein abstraktes Prinzip, sondern praktisches Interesse.
Marles traf außerdem die informelle Gruppe, die Diplomaten „Squad“ nennen: Australien, Japan, die USA und die Philippinen. Die vier vereinbarten, ihre Verteidigungspolitik enger abzustimmen. Die Philippinen haben dafür besonderen Grund: Manila teilte Anfang des Monats mit, dass sich die Präsenz chinesischer Militär- und Küstenwachschiffe in umstrittenen Teilen des Südchinesischen Meeres im September nahezu verdoppelt habe.
Volles Rahmenprogramm
Cebu war zudem Schauplatz zahlreicher bilateraler Treffen, die zusammen zeigen, wie die regionale Sicherheit neu verdrahtet wird. Japans Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi und US-Verteidigungsminister Pete Hegseth vereinbarten eine engere Zusammenarbeit gegen Cyberangriffe – ein drängendes Thema für Japan nach einer Serie fast täglicher Datenlecks. Indiens Verteidigungsminister Rajnath Singh nutzte sein Treffen mit Hegseth, um einen zehnjährigen Verteidigungsrahmen zu überprüfen und über Technologietransfer und Lieferketten zu sprechen.
Keines dieser Treffen brachte einen spektakulären Vertrag. Ihre Bedeutung liegt in der Dichte. Vor zehn Jahren drehte sich die regionale Verteidigungsdiplomatie um wenige formelle Bündnisse. Heute ist sie ein Netz aus überlappenden Gruppen, Kleinformaten und bilateralen Abkommen, jeweils verknüpft mit anderen Sorgen: Schiffe auf dem Meer, Kabel darunter, Daten in der Cloud.
Worauf es jetzt ankommt
Drei Fragen entscheiden, ob Cebu ein Wendepunkt war oder nur eine weitere volle Woche. Erstens: Geht die „Squad“ von Abstimmung zu regelmäßigen gemeinsamen Patrouillen oder geteilter Überwachung über? Zweitens: Findet die ASEAN als Block eine gemeinsame Stimme zum maritimen Druck, oder driften ihre Mitglieder je nach Betroffenheit weiter in getrennte Lager? Und drittens: Antwortet Peking auf öffentliche Karten mit mehr Zurückhaltung – oder mit mehr Schiffen?
Vorerst lautet die Lehre, dass der Westpazifik in eine Ära eingetreten ist, in der Information selbst ein Sicherheitsinstrument ist. Marinen zählen weiterhin am meisten, doch wer das klarste Bild vom Geschehen auf See zeigen kann, bestimmt zunehmend die Debatte. Diese Woche kam dieses Bild als Karte mit 53 Punkten – und es verbreitete sich schneller als jede Abschlusserklärung.