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Vom Fluss ins Netz: Warum 500 Megawatt aus Laos für Singapurs Ökostrommarkt zählen

Singapur hat kaum Flüsse zum Aufstauen, wenig freie Fläche für Solarparks und keinen Platz für Windräder. Wer dort mehr sauberen Strom will, muss ins Ausland schauen. Am 30. Oktober nahm am Rande der Singapore International Energy Week eine solche Option Gestalt an: Der Stromerzeuger Tuas Power unterzeichnete mit dem laotischen Staatsversorger Électricité du Laos (EDL) und dem laotischen Erneuerbaren-Entwickler Phongsupthavy Group (PSTG) eine Absichtserklärung, um den Import von bis zu 500 Megawatt Wasserkraft aus Laos zu prüfen.

Der Plan in Zahlen

Der Vorschlag sieht im ersten Vertragsjahr 100 MW vor, im zweiten 300 MW und ab dem dritten Jahr 500 MW, bei einer Laufzeit von fünf bis 15 Jahren. Voll ausgebaut entspräche das etwas mehr als 4 Prozent der derzeitigen Erzeugungskapazität Singapurs von rund 12 Gigawatt und mehr als dem Doppelten der 200 MW, die im bestehenden Stromverbundprojekt Laos-Thailand-Malaysia-Singapur seit 2022 erlaubt sind.

Tuas Power, eine Tochter des chinesischen Staatskonzerns Huaneng, will den Strom über langfristige Verträge an Kunden wie Rechenzentren und Chiphersteller verkaufen, auf Wunsch gebündelt mit Herkunftsnachweisen (RECs), die über T-RECs Energy zertifiziert werden.

Warum der Zeitpunkt wichtig ist

Dieses Detail wiegt schwerer, als es klingt. Nach Singapurs überarbeitetem Standard SS 673 für RECs vom 27. Oktober müssen Zertifikate nun an erneuerbaren Strom gekoppelt sein, der physisch ins singapurische Netz eingespeist wird. Unternehmen können nicht mehr einfach Zertifikate für anderswo erzeugten Ökostrom kaufen. Für Firmen mit Klimazielen bekommt real importierter sauberer Strom damit plötzlich einen Aufpreis.

Das Trockenzeit-Problem

Wasserkraft hat eine Schwäche: Laos erlebt jedes Jahr rund sechs Monate Trockenheit. Laut Tuas-Power-COO Michael Wong scheiterten erste Gespräche mit EDL 2023 an der Versorgungsstabilität. Die Lösung war PSTG, dessen Solar-, Wind- und Speicheranlagen einspringen können, wenn die Stauseen niedrig sind.

Noch ist das Vorhaben eine Sondierung. Der Strom muss durch Thailand und Malaysia, daher braucht es Genehmigungen mehrerer Regierungen, und Singapurs Energy Market Authority vergibt Importlizenzen in drei Stufen: von der bedingten Zustimmung über eine bedingte Lizenz bis zur Importlizenz. Wong rechnet mit Fortschritten im ersten Halbjahr 2027 und sagt, mit steigender Nachfrage könnten neue Kabel nötig werden. Die Richtung ist dennoch klar: Singapurs Zukunft mit sauberem Strom wird in den Flüssen seiner Nachbarn geschrieben.

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