Sport

Die letzte Präfektur auf der Karte: Churanoumi bringt Okinawa in die oberen Sumo-Ränge

Jahrzehntelang hatten Sumo-Fans eine einfache Quizfrage parat: Welche der 47 Präfekturen Japans hat noch nie einen Ringer in die Sanyaku-Ränge geschickt, die Elite direkt unter dem Yokozuna? Die Antwort lautete immer Okinawa. Seit dieser Woche funktioniert die Frage nicht mehr.

Die neue Rangliste für das Kyushu-Turnier, das am 8. November in Fukuoka beginnt, führt Churanoumi vom Kise-Stall als Komusubi. Der 33-Jährige aus Uruma verdiente sich den Aufstieg mit einer 10:5-Bilanz und einem Kampfgeist-Preis im September – und vervollständigte damit eine Landkarte, die der Sumo-Sport über mehr als ein Jahrhundert Präfektur für Präfektur gefüllt hatte.

Ein Spätzünder in jeder Hinsicht

Interessanter als ein Eintrag in den Rekordbüchern ist, wie lange es gedauert hat. Churanoumi gehört zu den ältesten Ringern der Nachkriegszeit, die erstmals Sanyaku erreichen, und kein Universitätsabsolvent brauchte mehr Turniere dafür: 63 seit seinem Profidebüt. In einem Sport, der gern Wunderkinder feiert, die in ein, zwei Jahren nach oben schießen, glich sein Weg eher einem langsamen Aufstieg an einem steilen Hang – mit etlichen Rückschlägen.

Das ist ein Signal für jüngere Ringer in den unteren Divisionen. Sumo-Karrieren sind kurz, und der Körper führt Buch. Wer sich bis in die Dreißiger weiter verbessert, zeigt, dass Geduld, Technik und sorgfältiges Training sich lohnen, wenn Masse und Tempo nachlassen.

Warum Okinawa immer die Ausnahme war

Okinawa hat schon Ringer für die höchste Division hervorgebracht, aber nur eine Handvoll. Die Inselkette hat zudem ihre eigene Ringertradition, das Okinawa-Sumo, das aus einem Gürtelgriff beginnt statt mit dem explosiven Anlauf der Profis. Churanoumi selbst sagt, Sumo sei in Okinawas Alltagskultur noch nicht verwurzelt, und versucht das mit einem Jugendturnier in seiner Heimatstadt zu ändern.

Sein Ziel ist einfach: mehr Kinder im Ring. Das ist ein echtes Thema für den ganzen Sport. Japans sinkende Geburtenrate und das harte Leben in den Ställen erschweren die Nachwuchssuche überall, und Regionen ohne starke Sumo-Kultur spüren es zuerst. Ein lokaler Held als Komusubi ist wohl das beste Werbeplakat, das Okinawa sich wünschen kann.

Worauf man in Fukuoka achten sollte

Komusubi ist ein hartes Pflaster. Ringer auf diesem Rang treffen früh im Turnier auf Yokozuna und Ozeki, und viele Neulinge beenden ihr Debüt mit negativer Bilanz. Churanoumi teilt sich den Rang mit Yoshinofuji, während Onosato als amtierender Champion antritt. Schon den Rang zu halten wäre ein starkes Ergebnis. Alles darüber wäre ein weiteres Novum, denn noch nie hat ein Ringer aus Okinawa den Kaiserpokal gewonnen.

Er sagt, er wolle ihn wenigstens einmal holen. Mit 33 spielt die Zeit nicht für ihn. Doch seine ganze Karriere beweist, dass der Kalender ein schlechter Ratgeber dafür ist, was er leisten kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert