Von 8 auf 1 Prozent: Japans Steuersenkung auf Lebensmittel steht vor einer entscheidenden Woche im Parlament
Für die meisten Haushalte in Japan ist die Verbrauchssteuer keine abstrakte Debatte. Sie steht auf jedem Kassenbon und schlägt bei Lebensmitteln derzeit 8 Prozent auf die Rechnung. Die Regierung von Premierministerin Sanae Takaichi will diesen Satz für zwei Jahre auf nur noch 1 Prozent senken, und diese Woche könnte entscheiden, ob der Plan die erste große Hürde nimmt.
Was das Gesetz vorsieht
Das Gesetz besteht aus zwei Teilen. Der erste senkt den ermäßigten Verbrauchssteuersatz auf Lebensmittel für zwei Jahre von 8 auf 1 Prozent. Der zweite sieht eine Leistung für Beschäftigte mit niedrigem und mittlerem Einkommen vor, die 1 Prozent Verbrauchssteuer entspricht – ein Weg, Menschen zu erreichen, deren Budget nicht nur durch Lebensmittelpreise belastet ist.
Die regierende Liberaldemokratische Partei möchte die Abstimmung im Ausschuss und im Plenum des Unterhauses am Freitag abhalten. Gelingt das, geht das Gesetz ans Oberhaus, wo es vor dem Ende der laufenden Sitzungsperiode am 12. Dezember verabschiedet werden soll.
Der Streit darüber, wer erscheint
Die Opposition streitet nicht nur über Zahlen. Ihre Parteien verlangen, dass Takaichi persönlich an den Beratungen im Finanzausschuss des Unterhauses teilnimmt. Das klingt nach Verfahrensfragen, doch in der japanischen Parlamentspolitik zählt die Anwesenheit der Regierungschefin im Ausschuss: Sie bedeutet direkte, protokollierte Fragen zu Kosten, Zeitplan und Fairness eines Vorzeigeprojekts. Beide Seiten wollen am Mittwoch, bei der nächsten Ausschusssitzung, über ihre mögliche Teilnahme sprechen.
Der Zeitplan ist also eng. Eine Uneinigkeit am Mittwoch könnte die Abstimmungen am Freitag verschieben, und jeder verlorene Tag verkürzt das Zeitfenster im Oberhaus vor dem 12. Dezember.
Warum Lebensmittel, und warum jetzt
Japan erhebt seit 2019 eine reguläre Verbrauchssteuer von 10 Prozent, mit einem ermäßigten Satz von 8 Prozent für Lebensmittel und einige andere Güter des täglichen Bedarfs. Eine Senkung des Lebensmittelsatzes wirkt direkt auf die Alltagspreise. Nach einer Phase, in der die Kosten für Grundnahrungsmittel wie Reis zum landesweiten Gesprächsthema wurden, ist eine günstigere Supermarktrechnung eine Botschaft, die Wähler sofort spüren.
Auch die Ausgestaltung verrät die politische Logik. Eine befristete Senkung über zwei Jahre lässt sich leichter verteidigen als eine dauerhafte, weil sie als Entlastung in schwierigen Zeiten gilt und nicht als bleibendes Loch in den Staatsfinanzen. Die Geldleistung ergänzt ein gezieltes Element für Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die einen größeren Teil ihres Einkommens für Essen ausgeben.
Offene Fragen
Mehrere praktische Punkte werden bestimmen, wie die Maßnahme ankommt, falls sie beschlossen wird. Händler müssen Preise und Kassensysteme umstellen, und der Starttermin ist für ihre Planung wichtig. Kundinnen und Kunden werden genau hinsehen, ob die volle Senkung tatsächlich im Regal ankommt. Und wenn die zwei Jahre vorbei sind, soll der Satz wieder steigen – die Debatte über eine Verlängerung dürfte also zurückkehren.
Hinzu kommt die Frage der Einnahmen. Die Verbrauchssteuer ist eine der zentralen Säulen des japanischen Haushalts, und Kritiker werden wissen wollen, wie die Lücke geschlossen wird. Genau diese Fragen möchte die Opposition der Premierministerin persönlich stellen.
Worauf man diese Woche achten sollte
Die Ausschusssitzung am Mittwoch ist die erste Wegmarke: Einigen sich beide Seiten auf Takaichis Teilnahme, wird der Weg zu den Abstimmungen am Freitag klarer. Der Freitag selbst ist die zweite. Verabschiedet das Unterhaus das Gesetz, richtet sich der Blick auf das Oberhaus und das Rennen gegen die Frist am 12. Dezember. Für Familien an der Kasse könnte das Ergebnis schon in wenigen Monaten eine spürbar kleinere Zahl am Ende des Bons bedeuten.