Wirtschaft

Asiens Börsen zwischen KI-Zweifeln und Ölschock

Asiens Anleger erlebten diese Woche eine ungewöhnliche doppelte Zange. Einerseits wackelt der KI-Handel, der die Börsen der Region zwei Jahre lang getragen hat. Andererseits ist Öl nach Berichten über brennende Tanker in der Straße von Hormus wieder über 110 Dollar je Barrel gesprungen. Der Donnerstag zeigte, was passiert, wenn beides zusammenkommt: Seouls Kospi verlor rund dreieinhalb Prozent, der Hang Seng in Hongkong etwa drei Prozent, der Nikkei in Tokio fast ebenso viel.

Warum Asien es zuerst spürt

Asiens Leitindizes sind voll von Firmen, die die KI-Wirtschaft bauen: Speicherhersteller in Korea, Chip- und Anlagenzulieferer in Japan und Taiwan, Plattformriesen in Hongkong. Fragen Anleger, ob die Ausgaben für Rechenzentren bei steigenden Zinsen weiter wachsen können, werden diese Titel zuerst verkauft. Technologielastige Indizes in Hongkong und Shenzhen fielen stärker als der breite Markt – ein gezielter Rückzug, keine allgemeine Panik.

Die Energie kommt hinzu. Die meisten Länder der Region importieren ihr Öl und Gas zum großen Teil aus dem Golf. Jeder Preissprung wirkt wie eine Steuer auf japanische Haushalte, koreanische Raffinerien und indische Importeure. Er erschwert auch die Pläne der Notenbanken: Die Bank of Korea klingt restriktiv, die Philippinen haben den Leitzins gerade auf 5,5 Prozent angehoben, und die Bank of Japan dürfte stillhalten.

Korrektur, kein Kollaps

Der Nikkei notiert dennoch über 60.000 Punkten, der Kospi weit über dem Jahresanfang. Ein Teil der Verkäufe sind Gewinnmitnahmen nach einem außergewöhnlichen Lauf. Anleger geben KI nicht auf, sie verlangen Beweise, dass Ausgaben zu Gewinnen werden.

Für Sparer in der Region heißt die Lehre Streuung. Depots, die nur auf Chipwerte setzten, hatten eine harte Woche, während Gold, kurz laufende Anleihen und defensive Branchen hielten. Japans große Versicherer kaufen genau deshalb still Gold.

Die nächsten Wochen hängen von zwei Dingen ab, die niemand in Asien kontrolliert: ob sich die Schifffahrt durch Hormus stabilisiert und ob große Tech-Kunden weiter bestellen. Bis dahin bleibt Volatilität das verlässlichste Exportgut der Region.

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